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Gedenkstätte NS-Psychiatrie

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Patienten aus Rotenburg, Anstalten der Inneren Mission
Kinder aus Rotenburg W.

 "Kinderfachabteilung" Lüneburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinderfachabteilung, Haus 25
Haus 25

 

Die "Kinderfachabteilungen" (Tarnbezeichnung) in psychiatrischen Anstalten in Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurden als Tötungsstätten für geistig und körperlich behinderte Kinder eingerichtet. Die reichsweite Organisation dieser "Kinder-Aktion" wurde vor allem durch die "Kanzlei des Führers der NSDAP" (KdF) und dem so genannten "Reichsausschuß zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten Leiden" durchgeführt. Die Tötung von weit über 5.000 Kinder - es gibt fachkundige Schätzungen, die einige Tausend mehr Opfer annehmen - gehörte zu den NS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg und wurde 1946 im "Nürnberger Ärzteprozess" auch als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft.

Die "Kinderfachabteilung" der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg bestand vom 1. Oktober 1941 bis März 1945 und sollte unter anderem Erfahrungen für ein geplantes "Euthanasie"-Gesetz liefern, das aber nie erlassen wurde. Zur Erföffnung wurde eine Reihe von Kindern aus den Anstalten der Inneren Mission in Rotenburg W. aufgenommen. Die Kinder sollten untersucht werden, damit man sie in "bildungsfähige" und "nichtbildungsfähige" selektieren konnte. Weiterhin sollte festgestellt werden, ob die Krankheiten der Kinder auf Schwangerschaftsprobleme oder auf äußere Einflüsse zurückzuführen seien. Nach der Einweisung wurden die Kinder einige Zeit beobachtet und begutachtet. Diese Gutachten wurden an den "Reichsausschuß" in Berlin geschickt und von dort wurde eine so genannte "Behandlungsermächtigung" zurückgegeben, wenn das Kind zur Tötung vorgesehen war. Eine Verpflichtung zur Tötung bestand aber nicht. Die Tötungen selbst wurden auf Veranlassung des Leiters der "Kinderfachabteilung" oder des Direktors der Anstalt mit Luminal oder - wenn dies nicht reichte - mit Morphium durchgeführt.

Über das Schicksal von über 400 Kindern lassen sich von 1941 bis 1945 anhand ihrer Patientenakten Einzelheiten nachzeichnen. Die geistig und körperlich kranken Kinder stammten aus den Anstalten der Inneren Mission Rotenburg W., der Anstalt Johannistal/ Waldniel oder von anderen Orten aus Niedersachsen. Der "typische" Fall ist durch folgende Merkmale beschreibbar:

Das Kind wurde in der Zeit von 1941 bis Kriegsende eingeliefert und verstarb dort nach einer Aufenthaltszeit von ca. sechs Monaten. Die Eltern waren Arbeiter und die letzten Eintragungen in der Patientenakte wurden durch den Leiter der "Kinderfachabteilung" oder den Direktor vorgenommen. Nach diesen Eintragungen gab es in den letzten Tagen vor dem Tod angeblich in der Regel keine Verabreichung von Medikamenten, und die Todesursache war eine schwere Erkältungskrankheit.

Die "Kinderfachabteilung" war ab 1945 wiederholt Gegenstand von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Es liegt eine Reihe von Veröffentlichungen vor, in denen Einzelheiten zur "Kinderfachabteilung" dargestellt sind (vgl. Seite Literatur). Zeitungsartikel zum Fall Krause (in einem neuen Browserfenster):

 Cellesche Zeitung 25.07.2000. PDF, Größe: ca. 200 KB

Quellen und weiterführende Literatur sind auf der Seite Literatur (in der Themengruppe "Infos") genannt.

 

 

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Stand 02.02.2004                    > Nach oben
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