Mitläufer, Zuschauer und Kritiker

Verschiedene Akteure, insbesondere Ärzte und Pflegende, wurden ab 1933 zu eigenverantwortlichen und erbarmungslosen Tätern der NS-Psychiatrie.

Diejenigen, die nicht selbst zu Tätern wurden, waren überwiegend Mitläufer, Zuschauer oder Gleichgültige. Nur wenige äußerten sich kritisch bis ablehnend oder versuchten gar, Patienten zu retten.

Im Bereich Niedersachsen wurden 1940/41 vier Schriften gegen NS-„Euthanasie“- Morde verfasst, die den Charakter einer „Denkschrift” haben. Die Autoren gingen mit ihrem Verhalten kein großes Risiko ein und schöpften ihre Möglichkeiten nicht aus. Die Interventionen aus der Provinz Hannover trugen immerhin unterstützend dazu bei, dass die „Aktion T4” eingestellt wurde, was die dezentralen Tötungsaktionen in den Anstalten jedoch nicht verhinderte.

In Lüneburg nahmen 21 Pflegekräfte die Tötung der Kinder und Jugendlichen billigend in Kauf. Ärzte schauten zu, wie ab 1943 verstärkt Patienten verhungerten oder an medizinischer Mangel- und Unterversorgung starben.