Strafverfolgung

Ab 1947 wurde die „Kinderfachabteilung” Lüneburg immer wieder aktenkundig.

Die Staatsanwaltschaften beschäftigten sich ab 1947 umfassend und eingehend mit den Verhältnissen in Lüneburg und nahmen Ermittlungen auf. Die Beweisführung zu „Euthanasie”-Tötungen war auf Indizien, Zeugenaussagen und letztlich auf Einlassungen der Verantwortlichen angewiesen. Für drei Beteiligte, gegen die 1962 die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden, wurde schließlich in den 60er-Jahren die Verantwortlichkeit für Kindestötungen in der „Kinderfachabteilung” Lüneburg festgehalten, es erfolgte aber keine gerichtliche Strafverfolgung. Es wurde nie Anklage erhoben.

Aber auch die Strafverfolgung der „Aktion T4” blieb folgenlos. Zwar wurden die „planwirtschaftlichen Verlegungen” aus Lüneburg in Tötungsanstalten einwandfrei festgestellt (vgl. „Gessner-Prozess”), zu einem Gerichtsverfahren gegen die in Lüneburg Verantwortlichen kam es aber auch diesbezüglich nie.

Das wahre Ausmaß der Patienten-Opfer und verantwortlichen Täter der Psychiatrie in Niedersachsen 1933 bis 1945 wurde durch die beiden Ermittlungsverfahren 1947-1949 sowie 1962-1966 nicht erfasst.

Als wichtige Quellensammlung, auch zu Verbrechen des Nationalsozialismus in der Psychiatrie, gilt die Gerichtsurteilsammlung „Justiz und NS-Verbrechen”. In über 30 Gerichtsurteilen geht es um NS-Verbrechen an Geisteskranken in Heil- und Pflegeanstalten, darunter auch die in der damaligen Provinz Hannover.