»Erinnerungsräume«

Ein Gärtnerhaus als Lernort über die Lüneburger »Euthanasie«-Verbrechen

Katalog zur Einweihung des Bildungszentrums und zur Sonderausstellung »Erinnerungsräume«, Carola S. Rudnick, 2020

Erhältlich in der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg

In »Erinnerungsräumen« werden die Opfer und Täter der nationalsozialistischen »Euthanasie« durch Fotomontagen an die heutigen Orte zurückgeführt. 75 Jahre nach Kriegsende veranschaulichen die Bilder und Kurzbiografien, dass das Erinnern und Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus zwar erinnerungskulturell an Gedenkstätten fest verankert ist, dass in unserer unmittelbaren Umgebung jedoch die Orte, an denen die »Euthanasie«-Opfer lebten und an denen ihre Täter wirkten, oft in Vergessenheit geraten sind.

Die Orte sind aber da, vor unserer Haustür und in unserer Nachbarschaft. Sie wurden vielleicht geschleift und überbaut, umgebaut oder in anderer Weise genutzt. Entscheidend ist, sie sind nah.

Angehörige und Nachbarn dieser Opfer und Täter trugen daher gemeinsam mit 51 Pflegeschülerinnen und -schülern dazu bei, diese vergänglichen Spuren sichtbar zu machen, etwa durch das Bereitstellen und Aufbereiten historischer und aktueller Fotos sowie mit Recherchen der Geschichten dieser Orte.

Zugleich dokumentiert die Broschüre das Entstehen eines neuen »Erinnerungsraums«, die denkmalgerechte Sanierung und Errichtung eines Bildungszentrums für die »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg im ehemaligen Gärtnerhaus der Psychiatrischen Klinik Lüneburg. Durch die Erzählungen seiner letzten Bewohnerin wird es auf gleiche Weise als »Erinnerungsraum« erfahrbar wie die »Erinnerungsräume«, die mit den Lüneburger »Euthanasie«-Verbrechen in Verbindung stehen.