Historische Notiz 2

Der erste Direktor in Lüneburg: Dr. Otto Snell

Dr. Otto Snell (geb. 9.3.1859, gest. 7.7.1939) war der erste Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Im Jahr 1891 war seine berufliche Zukunft noch ungeklärt. Er hatte bereits sieben Jahre Berufserfahrung gesammelt und konnte seine Qualifikation mit der Veröffentlichung „Hexenprozesse und Geistesstörung. Psychiatrische Untersuchung“ nachweisen. Vorangegangen waren sieben Fachveröffentlichungen, und insgesamt legte Dr. Snell ca. 50 Arbeiten vor. Für den Direktorenposten in Lüneburg zeichnete ihn sicher auch aus, dass er aus einer Psychiaterfamilie stammte: Sein Vater Dr. Ludwig Snell war lange Jahre Direktor der Anstalt Hildesheim.

Als erster Direktor der Heilanstalt Lüneburg setzte sich Dr. Snell vor allem für die Arbeitstherapie und die Ausbildung des Pflegepersonals ein. Schon im Januar 1902 bemühte er sich darum, Arbeitsmöglichkeiten für die Patienten zu finden, zunächst in der anstaltseigenen Stickerei. Einige Firmen aus Lüneburg zeigten sich durchaus an einer Zusammenarbeit interessiert, und so wurden entsprechende Materialien beschafft. Vor allem die Korbflechterei wurde 1904 von Dr. Snell als wirtschaftlich erfolgreich und besonders geeignet für die Behandlung der Kranken angesehen.

Die handwerkliche Arbeit der Kranken war nicht nur zur Therapie, sondern auch für eine sinnvolle Beschäftigung der Langzeit- und Dauerpatienten von Bedeutung. Um den Einsatz in der Landwirtschaft zu ermöglichen, wies Snell auf den Vorteil anstaltseigener Ländereien hin. Derartige Überlegungen führten zur Beschäftigung von Kranken aus Lüneburg im Gut Wienebüttel und in anderen Provinzialgütern. Die Verdienste von Dr. Snell für die Psychiatrie bewirkten, dass er 1918 zusammen mit dem Direktor der Anstalt Osnabrück (Dr. Schneider) den Titel „Geheimer Sanitätsrat“ verliehen bekam. Die ersten Jahre der Direktorentätigkeit von Dr. Snell fielen in eine Zeit, die der Autor und Oberarzt der Anstalt Osnabrück, Dr. Otto Mönkemöller, 1903 so beschrieben hat:

„Mit der Vollendung der Lüneburger Anstalt hat die hannöversche Irrenpflege einen bedeutungsvollen Schritt in ihrer Vollendung weiter getan. Keine Kosten, keine Mühe ist gescheut worden, um ihr alles, was die erfinderische Neuzeit ersonnen hat, zu Gute kommen zu lassen. Der Norden der Provinz, der bis dahin so stiefmütterlich behandelt worden war, kann sich jetzt einer Anstalt rühmen, die noch lange als Muster und Vorbild weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gelten wird.“ (Aus: Otto Mönkemöller. Zur Geschichte der Psychiatrie in Hannover. Halle a.S. 1903. Seite 221 f)