Historische Notiz 3

Genug Wasser für die Provinzial-Irrenanstalt Lüneburg?

Die ersten Planungen zum Bau der Heilanstalt Lüneburg gehen in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Das konkrete Programm zur Errichtung wurde durch den 31. Hannoverschen Provinziallandtag 1898 genehmigt, nachdem sich eine Kommission bereits seit 1896 mit den Vorbereitungen beschäftigt hatte. Auf die Aktivitäten der Kommission ging der Ankauf des Gutes Wienebüttel zurück, das 1896 erworben wurde, obwohl die Standortfrage einer vierten Anstalt für die Provinz Hannover offiziell noch nicht eindeutig geklärt war. Immerhin hatten auch die Städte Nienburg, Verden, Uelzen, Stade, Emden und Neustadt Interesse angemeldet und ein Gelände angeboten. Die Entscheidung fiel für Lüneburg, da die Stadt große Zugeständnisse in Bezug auf das notwendige Gelände und den erforderlichen Straßenbau gemacht hatte. Die ursprüngliche Konzeption für Lüneburg umfasste eine Bettenzahl von 800, wobei eine maximale Höchstzahl von 1.500 Kranken in Betracht gezogen wurde. Eine Trennung nach heilbaren und unheilbaren Geisteskranken sollte nicht geschehen, wohl aber eine zwischen den Geschlechtern. 

Für den geplanten Bau war die Frage einer ausreichenden Wasserversorgung ein besonders wichtiges Thema. Es musste also durch ein Gutachten geprüft werden, wie die Versorgung mit Grundwasser auf dem geplanten Grundstück beschaffen war. Durch Bohrungen und ein achttägiges Auspumpen wurde eine hinreichende Wassermenge ermittelt. Später stellte sich heraus, dass das an die Oberfläche gebrachte Wasser gleich wieder von den Pumpen aufgenommen wurde, nachdem es versickert war. Man hatte also lediglich einen Kreislauf bewirkt. Trotz dieses fragwürdigen Ergebnisses und anderer Diskussionen um den Standort hielt der Provinziallandtag an der sinnvollen Entscheidung für Lüneburg fest.
(Nach: Otto Mönkemöller, Zur Geschichte der Psychiatrie in Hannover, 1903. Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover; Hann 150 Nr. 260)