Historische Notiz 5

Feierlichkeiten und Feste

Feste und Feiern waren in den ersten Jahrzehnten der Heilanstalt Lüneburg eine wichtige Möglichkeit, den Alltag zu beleben. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden z. B. für die Beamten und Angestellten des Personals mit ihren Familien Kulturveranstaltungen im damaligen Gesellschaftshaus durchgeführt. In der Praxis waren dies Konzerte des bürgerlichen Gesangvereins aus Lüneburg, jährliche Veranstaltungen unter dem Stichwort „Kaisers Geburtstagsfeier“, Tanzvergnügen, Filmvorführungen und traditionelle „Erntefeste“ mit Kulturprogramm. Bei größeren Veranstaltungen wurden 500 Gäste erwartet, so z. B. zur Fastnacht im Februar 1911. Die Gäste wurden mit einem Konzert, einem Marsch und einem Schwank unterhalten. Im Anschluss daran war Tee und Tanz vorgesehen. Für derartige Anstaltsfeste wurden eigens einige Hundert Karnevalsmützen besorgt, um die sich die Anstaltsdirektion zu kümmern hatte.

Zu den verschiedenen kulturellen Veranstaltungen für die Patienten gehörte 1911 der Auftritt des so genannten „Eskamoteurs und Illusionisten“ Francois Rooberts, der auch mit der Bezeichnung „Kammerphysiker Sr. Königl. Hoheit Großherzog von Hessen“ für seine Unterhaltungskünste warb (Eskamoteur: Zauberer). Und 1912 gab es einen Gesangsvortrag mit dem Titel: „Liederabend des Bürgerlichen Gesangvereins im Gesellschaftshause der Prov.- Heil- und Pflegeanstalt.“ Die Einladungskarte dafür ist eindrucksvoll gestaltet und wie viele andere Dokumente der Anstaltsgeschichte überliefert. Die Reihe der geselligen Veranstaltungen wurde nach dem Ersten Weltkrieg unter Direktor Dr. Snell und später unter Direktor Dr. Behr fortgesetzt.
(Nach: Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover; Hann 155 Lüneburg Nr. 246 und Nr. 247)