Historische Notiz 6

Schwere Zeiten im Ersten Weltkrieg

Kriegsjahre bedeuteten stets auch für eine Anstalt besonders schwere Zeiten. So war Lüneburg in der Zeit des Ersten Weltkriegs von einer Reihe von Diebstählen betroffen. Insbesondere Heizmaterial (Briketts, Holz) wurde von Bürgern aus der Umgebung vom Anstaltsgelände entwendet. Der fortgesetzte Diebstahl wird in einem Bericht von Direktor Dr. Otto Snell an den Landrat Lüneburg im November 1915 eindringlich geschildert:

„In letzter Zeit wird der zu unserer Anstalt gehörige Park vielfach von Holzsuchern aus Lüneburg heimgesucht. Es wird nicht allein das trockene Holz gesammelt, sondern es sind auch eine Menge Kiefern, Eichen und Eschen abgehackt, sogar das Geländer mehrerer Brücken ist zerstört und entwendet. Wir bitten deshalb den zuständigen Gendarm beauftragen zu wollen, den Park zu überwachen. Die Diebstähle finden meist in den Vormittags- und Mittagsstunden statt.“

Um trotz einer schwierigen Versorgungslage den Überblick zu behalten, wurden auch in den Kriegsjahren Revisionen durchgeführt und Berichte darüber verfasst. So auch am 1. Oktober 1916, um die Materialbestände zu erfassen. Verantwortlich waren damals Inspektor Stegemann und der Hausverwalter Kihlholz.
Sorgfältig prüften sie die Liste mit den aufgeführten Gegenständen und stellten keine Abweichung zwischen dem Soll- und dem Ist-Bestand fest. Ob tatsächlich Tausende der registrierten Zündholzschachteln, Heringe, Zigarren und Eier am 1. Oktober 1916 auf ihre Vollständigkeit hin ausgezählt worden sind, lässt der Bericht allerdings nicht erkennen.

Aufgeführt wurden z. B. über den „Soll- und Ist-Bestand“ am 1.10.1916:

 

Zündhölzer, Schachteln:
Heringe, Stück:
Zigarren, Stück:
Eier, Stück:

Soll-Bestand

4.500
7.600
1.347
1.675

Ist-Bestand

4.500
7.600
1.347
1.675

(Quelle: Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover; Hann 155 Lüneburg Nr. 148 und Nr. 336)