Historische Notiz 9

Wintergemüse statt Fuhrpark? Probleme nach dem Zweiten Weltkrieg

Zur frühen technischen Ausstattung der Anstalt Lüneburg gehörte eine Maschinenhalle, in der nach dem Ersten Weltkrieg Wintergemüse eingelagert wurde. Von 1944 bis 1947 war die Maschinenhalle einem auf dem Anstaltsgelände befindlichen Lazarett angegliedert. Nach der Auflösung des Lazaretts bemühte sich Direktor Dr. Rudolf Redepenning darum, die frühere Nutzung wieder einzuführen. Er wehrte sich gegen Bedenken und machte langjährige einschlägige Erfahrungen geltend:

„Die Ansicht des Landesamtes und die bei der Besichtigung durch den Chefarzt der Krankenanstalt geäußerte Ansicht über die Möglichkeit und den Erfolg einer derartigen Einlagerung [von Wintergemüse] sind durch die etwa 25-jährigen Erfahrungen der Heil- und Pflegeanstalt schlagend widerlegt. Die Einlagerungen sind allerdings durch Fachleute sachverständig in Sand und Laub erfolgt.“ (Brief vom 27.10.1947. In: Nds. Hauptstaatsarchiv; Hann 155 Lüneburg Acc 56/83 Nr. 9).

In dem dazugehörigen Schriftwechsel ging es auch um die Frage der Unterbringung des Fuhrparks der Anstalt. Dieser wurde vom Landeswohlfahrtsamt Hannover für überflüssig gehalten. In Lüneburg verfügte man 1947 über einen Sanitätskraftwagen, einen Pkw und einen Pferdewagen mit zwei Zugpferden. Mit der Abschaffung des Fuhrparks sollte auch das Problem der Futterversorgung für die Pferde beseitigt werden. Generell war man auf der Suche nach Sparmöglichkeiten. Derartige Vorstellungen aus Hannover erwiesen sich aber in den folgenden Jahren und Jahrzehnten als unrealistisch. Schon im Oktober 1947 erklärte Direktor Dr. Redepenning, dass es darum ginge, „... Platz für den Andrang der Geisteskranken zu gewinnen.“ Immerhin war innerhalb von neun Monaten der Krankenbestand um 200 Patienten gestiegen.