Historische Notiz 1

1901: Die ersten Patientengruppen treffen in Lüneburg ein

Der Bau der Heilanstalt Lüneburg war Ende des vorletzten Jahrhunderts beschlossen worden, um die anderen Anstalten der Provinz Hannover zu entlasten. Deshalb beschäftigte sich Direktor Dr. Otto Snell bereits im Februar 1901 mit der Überführung von Patienten aus anderen Provinzialanstalten nach Lüneburg. Insbesondere wollte Dr. Snell auf die Auswahl der zu erwartenden Patienten Einfluss nehmen, denn es mussten mögliche Gefahren für die noch im Aufbau befindliche Anstalt bedacht werden. Hierzu findet sich in seinen Notizen vom 1. Februar 1901 folgende Überlegung zur Situation in Lüneburg:

„Die einzige Möglichkeit, diese Gefahren zu beseitigen, würde nach meiner Meinung in der Bestimmung liegen, daß unheilbare, gemeingefährliche, fluchtverdächtige Kranke nicht nach Lüneburg überführt würden, solange nicht der Bau der Lüneburger Anstalt zum Abschluß gekommen ist. Durch diese Bestimmung würde es zugleich überflüssig werden, besondere Sicherheitsmaßregeln, wie hohe und feste Umzäunung der Gärten oder Mauern von den Häusern 15 und 16 anzubringen.“

Dr. Snell hatte mit seinen Argumenten Erfolg: Das Landesdirektorium der Provinz Hannover machte sich die Überlegungen aus Lüneburg zu eigen. Insbesondere sollten „gemeingefährliche“ und „fluchtverdächtige“ Patienten nicht bzw. nur in besonders begründeten Ausnahmefällen einbezogen werden. Im Mai 1901 wurde außerdem verfügt, dass zumindest ein Teil der nach Lüneburg abzugebenden Patienten in der landwirtschaftlichen Arbeit geübt sein sollte. So wollte man erreichen, dass der Anstaltsbetrieb möglichst reibungslos anfangen konnte. Zu den ersten Transporten von Patienten nach Lüneburg gehörten 91 Geisteskranke aus der Anstalt Hildesheim. Sie trafen am 11. Juli 1901 auf dem Bahnhof Lüneburg ein. Wie in den vorangegangenen Fällen geschah der Ausstieg im Güterbahnhof, um den laufenden Bahnhofsbetrieb nicht zu stören. In Begleitung von Wärtern wurden die Patienten auf das Gelände der Heilanstalt Lüneburg gebracht.

(Quelle: Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover; Hann 155 Lüneburg Nr. 226)