01.07.2010

Pastor Andreas Kunze-Harper verlässt Psychiatrische Klinik

Neue Aufgabe in Hannover nach vielen Jahren in Lüneburg

Lüneburg, 01. Juli 2010 – Nach zehn Jahren als Seelsorger an der Psychiatrischen Klinik und insgesamt 20 Jahren in Lüneburg wechselt Pastor Andreas Kunze-Harper zum 1. Juli 2010 nach Hannover. Er übernimmt dort die Leitung des Pastoralklinikums - Zentrum für Klinische Seelsorgeausbildung (KSA) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Ich habe immer gerne in Lüneburg gearbeitet“, sagt Kunze-Harper, „Aber ich kenne und schätze die hoch interessante Arbeit des Pastoralklinikums von meiner eigenen Ausbildung und meiner langjährigen Mitarbeit in der Sektionskonferenz KSA. Das Angebot, dort die Leitung zu übernehmen, war einfach einmalig, und ich freue mich sehr auf diese neue Tätigkeit.“

Andreas Kunze-Harper studierte an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen und übernahm im August 1990 das Pfarramt in der Gemeinde St. Stephanus im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Im Mai 2000 wechselte er an die Psychiatrische Klinik (damals noch Niedersächsisches Landeskrankenhaus): „Nach zehn Jahren im Gemeindedienst und einer Zusatzausbildung in Klinikseelsorge war es mein großer Wunsch, die Einzelseelsorge im Krankenhaus zum Schwerpunkt meiner Arbeit zu machen“, erzählt der 53-Jährige.

„Als Seelsorger, der im Haus arbeitet, aber nicht vom Haus ist, genoss Andreas Kunze-Harper das besondere Vertrauen der Patienten“, beschreibt Superintendentin Christine Schmid die Arbeit ihres Kollegen, „Er war als Helfer in seelisch schwierigen Situationen sehr anerkannt und verkörperte die Wertschätzung jedes Einzelnen, ohne Ansehen der Person und Geschichte, in besonderer Weise.“

Als persönlicher Ansprechpartner und Wegbegleiter für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter der Klinik galt sein Interesse von Anfang an auch den Strukturen in der Versorgung psychisch kranker Menschen. „Es ging mir darum, Regelungen und Wege zu schaffen, die den Dialog untereinander erleichtern und Konfliktbearbeitung und -lösung auch in schwierigen Situationen ermöglichen.“ Ergebnisse dieser Arbeit sind die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle und die achtjährige Moderation des Trialogs (ein Diskussionsforum von Angehörigen psychisch Kranker, Psychiatrie-Erfahrenen und Behandlern). Seine Mitarbeit im Sozialpsychiatrischen Verbund und der Kontakt zu anderen Kirchengemeinden in der Weiterführung der traditionellen Weihnachtspäckchenaktion verdeutlichen seinen Einsatz in der Vernetzung der Klinik mit der Region.

Innerhalb der Psychiatrischen Klinik etablierte der Seelsorger gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe die „Suizidkonferenz“: „Dieses Angebot an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet den Rahmen, das Geschehene in Ruhe und außerhalb des Stationsbetriebs zu reflektieren und die vielschichtigen Emotionen und offenen Fragen nach der Selbsttötung eines Patienten ohne Druck zu verarbeiten.“

Weitere Beispiele seines Engagements sind die Einrichtung einer Theatergruppe am Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) und einer Literaturgruppe im Maßregelvollzug.

„Die Aktivitäten von Andreas Kunze-Harper gingen weit über den Rahmen einer Seelsorge im engeren Sinn hinaus, und dafür danken wir ihm ganz besonders“, beschreibt Dr. Sebastian Stierl, Ärztlicher Direktor der PKL, die Zusammenarbeit. „Gerade in einer psychiatrischen Klinik ist die Seelsorge sowohl für die Patienten als auch die Mitarbeiter von besonderer Bedeutung.“

Die Aufgaben der Klinikseelsorge an der Psychiatrischen Klinik werden bis auf Weiteres von Angelika Günther und Antje Stoffregen wahrgenommen, die zusammen mit Andreas Kunze-Harper das bisher dreiköpfige Team bildeten. Superintendentin Schmid erläutert: „Wir werden alles tun, um die Nachfolgebesetzung bis spätestens Herbst bzw. Winter dieses Jahres zu klären. Zu unserem großen Bedauern werden wir aber nur noch eine halbe Pfarrstelle an der Psychiatrischen Klinik besetzen können. Dazu zwingen uns die allgemeinen Sparmaßnahmen der Landeskirche in Folge des Kirchensteuerrückgangs.“

Das 14-tägige sonntägliche Gottesdienstangebot in der Kapelle auf dem Klinikgelände bleibt auf jeden Fall bestehen. „Denn es ist der Landeskirche und uns ein besonderes Anliegen, dieses Stück gelebter Kultur und Normalität als dritte Dimension neben Therapie und Betreuung für die Patienten der Klinik zu erhalten“, so Rolf Sauer, Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik.