18.01.2019

Sonderausstellung »Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt« endet mit einer Spenden-Lesung

Die Sonderausstellung » ›Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt‹ – Frauen als Opfer der ›T4‹ « der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg endet am 26. Januar 2019 mit einer Spenden-Lesung. Die Lesung findet von 11 bis 16 Uhr in der Gedenkstätte im alten Badehaus der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, Am Wienebütteler Weg 1, statt. Mit dem Erlös soll ein Buch zur Ausstellung ermöglicht werden, an dem auch Lüneburger Pflegeschülerinnen und -schüler mitgewirkt haben. Geplanter Erscheinungstermin ist August 2019.

An der Spenden-Lesung beteiligen sich, angeführt von Oberbürgermeister Ulrich Mädge, insgesamt 40 Personen aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Medizin, Behindertenarbeit, Ehrenamt, Bürgerschaft sowie aus dem Kreis der Angehörigen. Sie lesen abwechselnd aus über 60 bislang unveröffentlichten, historischen Dokumenten zum Thema »Aktion T4« vor. »Während der fünfstündigen Lesung darf es ein Kommen und Gehen sein, jeder Zuhörer darf verweilen, solange er mag«, informiert Dr. Carola Rudnick, wissenschaftliche Projektleitung.

Das eigens für diesen Tag erstellte »Drehbuch« umfasst mehr als 100 Seiten. Bei diesen Dokumenten handelt es sich um Schriftwechsel zwischen den Reichsministerien, der Provinz Hannover und der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg zur Planung und Durchführung der »Aktion T4« aus den Jahren 1940 und 1941. Auch werden Briefe zwischen den Anstalten Lüneburg und Hadamar sowie zwischen den Anstalten und Angehörigen in Bezug auf das plötzliche Sterben der Patientinnen und den Umgang mit ihren sterblichen Überresten vorgelesen. Der Großteil der vorgelesenen Akten stammt aus den Jahren 1945 bis 1966. Unterlagen aus Entnazifizierungsverfahren, Anhörungs- und Vernehmungsprotokolle sowie Vermerke aus zwei Ermittlungsverfahren gegen die Lüneburger Ärzte, nacheinander durch verschiedene Leser vorgetragen, geben tiefe Einblicke in die Vertuschung der Verbrechen. »Mit dieser Auswahl an Dokumenten im Rahmen der Lesung wird die Sonderausstellung um ›Täterperspektiven‹ ergänzt, die in der Sonderausstellung nicht vorkommen, jedoch Eingang in den Katalog finden sollen«, erläutert Carola Rudnick.

Während ihrer zweijährigen Forschungsarbeit zum Thema »Frauen als Opfer der T4« hatte Rudnick Unterstützung von ihrer freien Mitarbeiterin Sabine Knapp und vier Ausbildungsklassen der beiden Lüneburger Gesundheits- und Krankenpflegeschulen. »Wir freuen uns sehr, dass so viele Leserinnen und Leser bereit sind, nun mit einer Lese-Spende diese gemeinsame Arbeit zu würdigen«, freut sich Rudnick. »Und jeder, der sich an der Lesung mit einem Lesebeitrag oder mit einer Geldspende beteiligt, hilft, dass diese Forschungsergebnisse – längst überfällig – veröffentlicht werden«, ergänzt Dr. Sebastian Stierl, Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte. Beide hoffen, dass die benötigten 6.000 Euro zusammenkommen.

Interessierte und Spendende sind eingeladen, während der Lesung nach Belieben zu verweilen. Las Trialocas, Frank Füllgrabe und Sebastian Stierl werden die Pausen mit Gesang, klassischer Gitarre und Cello musikalisch abwechslungsreich füllen.

Zur besseren Orientierung und Planung des Besuchs ist das »Drehbuch« mit Informationen darüber, wer zu welcher Uhrzeit welche Dokumente vorliest, im Internet veröffentlicht: www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette.

Dr. Carola S. Rudnick, »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg e. V. | c-rudnick@t-online.de | Tel. 04131 60 883 72.

Spenden-Konto: »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg Sparkasse Lüneburg IBAN: DE27 2405 0110 0065 4292 19 Verwendungszweck: Buch-Spende