19.10.2018

»Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt«

Die Sonderausstellung der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg wird verlängert

Die Sonderausstellung » ›Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt‹ – Frauen als Opfer der ›T4‹ «, die zurzeit in den Räumen der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg (Am Wienebütteler Weg 1, 21339 Lüneburg) gezeigt wird und dem Schicksal weiblicher Opfer der sogenannten »Aktion T4« nachgeht, kann noch bis zum 26. Januar 2019 besucht werden. Die Gedenkstätte verlängert die Laufzeit, und die Ausstellung wird erst dann mit einer Finissage enden.

Die ursprünglich am 21. Oktober 2018 endende Ausstellung ist nachgefragt. Viele Schulklassen und interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Lüneburg, aber auch aus Buchholz, Uelzen und Celle haben die Ausstellung bisher besucht. Das für Gruppen konzipierte Bildungsangebot lockt viele an. So waren in dieser Woche auch 18 Schülerinnen und Schüler der BBS II in Uelzen zu Besuch. Angeleitet durch Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte wurden sie mithilfe von Arbeitsblättern und Zusatzinformationen darauf vorbereitet, im Anschluss ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zu einzelnen Themenabschnitten selbstständig durch die Ausstellung zu führen. »Da die Menschen, die in der Ausstellung vorkommen, aus der eigenen Nachbarschaft, dem eigenen Wohnort stammen, rückt die Geschichte der Tötung von Psychiatriepatientinnen ganz nah an die Schüler heran«, berichtet Dr. Carola Rudnick, wissenschaftliche und pädagogische Leiterin der Gedenkstätte. »Viele Besucher haben ein vages Vorwissen zum Thema Patientenmord und auch schon etwas über die ›Aktion T4‹ gehört. Dann aber in der Ausstellung zu erfahren, wie diese Tötungsaktion hier vor Ort ablief und wie das Verbrechen einzelne Familien aus der Region bis heute begleitet, überrascht die meisten«, erzählt Rudnick. Ende November erwartet die Gedenkstätte internationalen Besuch, im Rahmen einer Lehrerfortbildung werden deutsche und polnische Lehrkräfte gemeinsam die Ausstellung erkunden.

Im Zentrum der Sonderausstellung stehen über 200 Frauen, die im April 1941 von der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt und dort im Rahmen der sogenannten »Aktion T4« vergast wurden. Die Ausstellung ist Ergebnis eines pädagogischen Projekts und wurde mithilfe von Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern wissenschaftlich erarbeitet.

Öffnungszeiten der Sonderausstellung sind jeden 3. Samstag im Monat von 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ansprechpartnerin für die Ausstellung sowie Führungen von Gruppen ab einer Größe von 15 Personen ist:

Dr. Carola S. Rudnick, »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg e. V. |
c-rudnick@t-online.de | Tel. 04131 60 883 72.

Für Schülerinnen und Schüler ab Jg. 8 gibt es Zusatzmaterialien zur selbstständigen Erkundung der Ausstellung.

Weitere Informationen unter www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette

Diese Sonderausstellung wird durch das Bundesprogramm »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, in Zusammenarbeit mit der Hansestadt Lüneburg und dem Stadtjugendring Lüneburg e. V.