Neurostimulationsverfahren

Die Neurostimulation hat sich in den letzten Jahrzehnten als wirksame und leitliniengerechte Behandlungsoption für verschiedene psychische Erkrankungen etabliert.

Insbesondere die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und die Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) stehen im Fokus der klinischen Anwendung. Während die EKT seit langem als sehr gut wirksames Therapieverfahren bei schwer zu behandelnden Depressionen und Psychosen gilt, bietet die rTMS eine moderne und gut verträgliche Alternative mit gezielter Hirnstimulation. Beide Verfahren kommen als therapeutische Bausteine neben Psychotherapie und Psychopharmakologie im Behandlungsverlauf von psychischen Erkrankungen zum Einsatz und erweitern das therapeutische Spektrum in der modernen Psychiatrie.

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und die Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) sind zwei etablierte Verfahren der Neurostimulation. Beide Methoden ergänzen das therapeutische Spektrum und ermöglichen individuelle Behandlungsansätze für Patient:innen, die auf konventionelle Therapien nicht ausreichend ansprechen.

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Fast alle psychischen Erkrankungen lassen sich heute so behandeln, dass es zu einer deutlichen Besserung kommt und die betroffenen Menschen wieder am Alltag teilhaben können. Es gibt aber eine Gruppe von Patient:innen, die trotz langer und intensiver Behandlung nicht ausreichend auf Medikamente und Psychotherapie ansprechen. Andere benötigen sehr rasche Hilfe, weil sie ganz akut und lebensbedrohlich erkrankt sind. Diesen Menschen kann in vielen Fällen mit einer Elektrokonvulsionstherapie (EKT) geholfen werden.

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein bewährtes und erprobtes medizinisches Behandlungsverfahren zur Behandlung psychischer Erkrankungen. Patient:innen mit depressiven und psychotischen Beschwerden sprechen sehr gut auf diese Therapie an. Die Behandlungsindikation folgt dem Shared-Decision-Making, also der gemeinsamen Entscheidung von Arzt und Patient:in.

Bei dieser Therapieform werden über elektrische Stimulation am Kopf hirneigene Heilungsprozesse angestoßen. Wie bei vielen Verfahren gibt es Hinweise für die Wirkung, z. B. wird das Nervenwachstum stimuliert, es werden neue Nervenzellen gebildet und zusätzliche Verbindungen zwischen den Hirnzellen geknüpft.


Obwohl die Wirksamkeit der EKT seit vielen Jahren wissenschaftlich belegt ist, ranken sich noch viele Mythen und falsche Vorstellungen um diese Therapie, die auch an der Psychiatrischen Klinik Lüneburg möglich ist.

Im Podcast erzählt Johannes Balschat, Leitender Arzt der Klinik für Intensiv- und Psychosetherapie, was EKT ist, welche Krankheitsbilder behandelt werden können, an welche Zielgruppe sich die Therapie richtet, wie die Therapie abläuft und welche Verbesserungen durch die Therapie erzielt werden können.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Die Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist ein effektives Behandlungsverfahren, das sich besonders bei der Behandlung von depressiven Störungen und psychotischen Erkrankungen bewährt hat. Es handelt sich um eine nicht-invasive Therapie, für die weder eine Operation noch eine Implantation von Elektroden oder anästhesiologische Maßnahmen erforderlich sind.

Bei der rTMS lässt sich durch eine gezielte und in der Intensität individuell abgestimmte Stimulation bestimmter Regionen der Gehirnrinde mit einem Magnetfeld die Erregbarkeit von Nervenzellen messbar beeinflussen. Durch die zielgerichtete Entladung von Nervenzellen können Botenstoffe freigesetzt werden, die auch vernetzte Hirnzentren erreichen.

Die rTMS-Behandlung kann bei unipolarer Depression und bei akustischen Halluzinationen im Rahmen einer Schizophrenie angewendet werden. Zumeist erfolgt die Therapie zusätzlich zu einer bereits etablierten medikamentösen Therapie wenn mit dieser bisher kein ausreichender Erfolg erzielt werden konnte.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nebenwirkungen bei der Behandlung durch rTMS sind selten und vorübergehend. Selten kann es zu Kopfschmerzen, Missempfindungen an der Stimulationsstelle, kurzem Unwohlsein, Schwindel, Benommenheit, Veränderung der Hörschwelle, Muskelzucken im Bereich von Kopfhaut, Auge oder Mund kommen. Diese Nebenwirkungen treten nur während oder unmittelbar nach der Behandlung auf und klingen nach kurzer Zeit ohne Gegenmaßnahmen wieder ab.

Wann kann eine rTMS-Behandlung nicht durchgeführt werden?

Bei magnetischen Metallgegenständen im Kopfbereich, implantierten Pumpensystemen bzw. Medikamentenpumpen, Herzschrittmachern, Hirnstimulatorsystemen und Cochlea-Implantaten kann eine rTMS-Behandlung nicht erfolgen.

Anmeldung zur EKT oder rTMS

Telefonische Terminvereinbarung:
Tel. 04131 60 222000

Eine Anmeldung zur EKT oder rTMS ist über Ihre behandelnde fachärztliche Praxis möglich. Zur Bearbeitung benötigen wir das vollständig ausgefüllte Anmeldeformular sowie einen aktuellen, informativen Arztbrief/Verlaufsbericht inkl. Befunden zur organischen Ausschlussdiagnostik.

Adresse: 
Johannes Balschat, Psychiatrische Klinik Lüneburg, Am Wienebütteler Weg 1, 21339 Lüneburg 

Fax: 04131 60 222080
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