Neugestaltung der „Euthanasie“-Gedenkstätte

Von 1. September 2015 bis 31. August 2020 führt die Gedenkstätte das Projekt „Neugestaltung der ‚Euthanasie‘-Gedenkstätte Lüneburg“ durch. Das Projekt umfasst den umfänglichen Aus- und Umbau der Gedenkstätte sowie die Einrichtung einer neuen Dauerausstellung, einschließlich grundständiger Forschungs- und Archivierungsarbeiten. Die Neugestaltung umfasst darüber hinaus die Einrichtung eines pädagogischen Archivs, das für alle Besucher und Interessierten offen sein soll, sowie die Etablierung nachhaltiger Bildungsangebote in eigenen Arbeits- und Seminarräumen, die es in der Gedenkstätte bisher nicht gibt.

Die zukünftigen Angebote sollen barrierefrei und für Menschen mit Behinderungen zugänglich sein. Erste Erfahrungen für die Neuausrichtung der Gedenkstätte wurden bereits im Rahmen des Projektes „Vielfalt achten, Teilhabe stärken“ gesammelt. Dort wurden Materialien und Methoden für Menschen mit geistiger Behinderung und Lernbehinderungen entwickelt und mit Jugendlichen und Erwachsenen mit geistiger Behinderung erprobt. Auch die Arbeit mit Grundschülern, insbesondere mit einer thematischen Ausweitung auf Kinderrechte und Menschenrechte für Menschen mit Behinderung, soll in die Neugestaltung einfließen.

„Die Gedenkstätte so neu zu gestalten, dass sie den wissenschaftlichen Forschungsstand wiedergibt und zugleich ‚inklusives Geschichtslernen‘ für alle Menschen zwischen 9 und 99 Jahren ermöglicht, ist Ziel der Neugestaltung“, sagt Dr. Carola S. Rudnick.

Für Grobkonzeption, Grundlagenforschung und Umsetzung sind fünf Jahre vorgesehen. Die ersten beiden Jahre (September 2015 bis August 2017) sind durch eine Personalkostenförderung aus Landesmitteln der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten sowie durch Mittel der Psychiatrischen Klinik Lüneburg abgedeckt.

Die Sachkosten müssen durch Eigenmittel des „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg e. V. bestritten werden, die im Wesentlichen aus Spenden bestehen.

Für die Umsetzung der Baumaßnahmen und die Ausstattung sollen perspektivisch jedoch auch zusätzliche Landes- und Bundesmittel eingeworben werden, denn die Gedenkstätte in Lüneburg ist die einzige Bildungseinrichtung am Ort einer ehemaligen „Kinderfachabteilung“, in der mindestens sieben Prozent aller Opfer der Kinder- und Jugendlichen-„Euthanasie“ zwischen 1941 und 1945 systematisch ermordet wurden. Sie hat daher exemplarischen Charakter.